Omas Maiwipferlsirup

Omas Maiwipferlsirup

In Omas Hausapotheke durfte eines nie fehlen: der Maiwipferlsirup! Vor allem in der Erkältungszeit wurde er hervorgeholt – ein Löffelchen des goldenen Sirups wirkte wahre Wunder bei Husten und Heiserkeit. Und manchmal durften wir ihn einfach so naschen – süß, harzig und ein bisschen wie Wald auf der Zunge. Ich verrat euch das Rezept zu Omas Maiwipferlsirup!

Die Kraft der jungen Triebe

Im Mai erleben Fichten und Tannen ihren Wachstumsschub. An den Enden der Äste sprießen frische, hellgrüne Triebe – die sogenannten Maiwipferl.
Sie sind reich an ätherischen Ölen, Harzen, Gerbstoffen (Tanninen) und Vitamin C. Diese Inhaltsstoffe wirken antiseptisch, also keimhemmend, und unterstützen gleichzeitig den Schleimabtransport aus den Atemwegen. Kein Wunder also, dass Maiwipferl seit Jahrhunderten als natürliches Hausmittel gegen Husten, Heiserkeit und Bronchitis geschätzt werden.

WICHTIG

Beachte die Sammelregeln und sei beim Sammeln stets achtsam:
Ernte pro Ast nur 3–4 Triebspitzen, damit der Baum gesund weiterwachsen kann. 
Schau dir den Baum auch unbedingt ganz genau an, dass du wirklich nur Triebe von Fichte oder Tanne verwendest und nicht jene, der giftigen Eibe!

Rezept für Omas Maiwipferlsirup

Das Rezept ist einfach – erfordert aber etwas Geduld und Sorgfalt.

Du brauchst:

  • 500 g frische Fichten- oder Tannenwipferl
  • 1000 g Rohrzucker
  • 1 großes Einmachglas
  • 1 Stück Leinentuch 

So geht’s:

  1. Gib eine Schicht Wipferl ins Glas (am besten mit einem Messer klein geschnitten). Dann folgt eine Schicht Zucker. 
  2. Wiederhole diesen Wechsel, bis das Glas voll ist – achte darauf, dass jede Wipfelschicht doppelt so dick ist wie die Zuckerschicht.
  3. Die letzte Schicht muss Zucker sein. So verhinderst du, dass sich Schimmel bildet.
  4. Decke das Glas mit einem Leinentuch ab (fixiere das Tuch am besten mit einem Gummiring, dass es nicht herunterrutschen kann) und stelle es an einen sonnigen Platz ans Fenster.
  5. Jetzt beginnt der spannende Prozess im Glas. Was genau dabei passiert kannst du weiter unten nachlesen.
  6. Nach etwa zwei bis drei Wochen haben sich die Wipferl bräunlich verfärbt und der Sirup hat sich abgesetzt.
  7. Du kannst den Sirup nun abfiltern und in sterile Flaschen füllen.

So hält sich dein Maiwipferlsirup viele Monate – und eignet sich auch wunderbar als kleines Geschenk aus der Natur.

Was im Glas passiert

  1. Der Zucker zieht das Wasser aus den Pflanzenteilen. Zucker ist stark hygroskopisch, das heißt, er entzieht seiner Umgebung Wasser.
    Die jungen Wipferl bestehen zu einem großen Teil aus Zellsaft. Durch den Zucker wird dieser langsam herausgezogen – mitsamt den ätherischen Ölen, Harzen, Tanninen, Bitterstoffen und Vitaminen. Diesen Vorgang nennt man Osmose. So entsteht nach und nach der goldene, aromatische Pflanzenauszug.

  2. Licht und Wärme beschleunigen den Prozess. Die Sonne sorgt für eine sanfte Erwärmung. Dadurch wird der Zucker schneller flüssig und kann die Inhaltsstoffe besser lösen. Gleichzeitig wirkt die Wärme konservierend, weil sie den Zuckergehalt erhöht und das Wachstum von Mikroorganismen im Glas hemmt.

  3. Nach einigen Tagen werden die Wipferl braun und schlaff, weil ihnen Wasser und ihr Inhaltsstoffe entzogen werden.
    Der Zucker hingegen wird zunehmend flüssig und bernsteinfarben – das ist der entstehende Sirup.

  4. Wenn sauber gearbeitet wird und das Verhältnis Zucker zu Pflanzenmasse stimmt, bleibt der Ansatz stabil. Der hohe Zuckergehalt hemmt das Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen – ähnlich wie bei Marmelade oder Honig.

Anwendung und Wirkung

Der Wipferlsirup ist ein bewährtes Hausmittel bei:

  • Husten und Bronchitis
  • Verschleimungen
  • Heiserkeit und gereizten Atemwegen

 

Er wird löffelweise pur oder als Süßungsmittel in Husten- und Bronchialtees eingenommen.
Auch zur Vorbeugung und Stärkung des Immunsystems in der kalten Jahreszeit ist er ideal.

9 Antworten

  1. Hallöchen, ich habe eien Frage zum maiwipferlsirup um ih haltbar zu machen muss man diesen nicht aufkochen oder pastorisieren?

  2. Hallo Habe meinen schon die dritte woche stehen der zucker löst sich nicht auf da wir zur zeit fast keine sonne haben. Was kann ich machen

    1. Liebe Gudrun,
      leider geht es vielen gerade ganz ähnlich.
      Entweder du gibts dem Wipferlhonig noch etwas Zeit – irgendwann wird die Sonne hoffentlich doch kommen.
      Oder du gibst das ganze in einen Topf und erwärmst es und lässt es so lange einköcheln, bis es sirupartig wird.
      Gutes Gelingen!
      Susanne

    1. ja, du kannst natürlich auch honig verwenden. das hat den vorteil, dass du nicht darauf achten musst, ob sich der Zucker löst!
      Und der Honig selbst hat natürlich auch eine tolle Heilwirkung!

  3. Hallo Susanne!

    Ich wollte dir hier mal meine Begeisterung für diesen Sirup da lassen. Ich setze ihn dieses Jahr zum 2. mal an und freue mich schon wahnsinnig auf die erste Kostprobe, weil er sooooo fantastisch schmeckt! Ein Freund von mir ist fast ausgeflippt, wie toll das schmeckt. Er meinte: „Du hast den Wald ins Glas gebracht!“ ( :
    Also ganz herzlichen Dank für das einfache und tolle Rezept!

    Liebe Grüße aus Dresden! Elisabeth

    1. Mit Honig funktioniert es etwas anders als mit Zucker, da Honig nicht gekocht werden sollte, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten.
      Du kannst die Fichtenwipfel kalt im Honig ausziehen lassen – dafür nimmst du etwa 1:1 oder 1:2 – also z. B. 500 g frische Wipfel auf 500–1000 g Honig, je nachdem wie intensiv du es magst.

      So geht’s:
      Die Wipfel klein schneiden oder anquetschen, in ein großes Glas geben und mit Honig übergießen, bis alles gut bedeckt ist. Dann an einem warmen Ort (nicht in der prallen Sonne) für ca. 3–6 Wochen ziehen lassen, gelegentlich umrühren oder das Glas vorsichtig schwenken. Danach abseihen und in dunklen Gläsern kühl lagern.

      Er bleibt durch den Honig recht lange haltbar und ist ideal bei Husten & Heiserkeit ??

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