Wenn der Herbst ins Land zieht, die Blätter sich verfärben und die Temperaturen sinken, beginnt für mich eine ganz besondere Sammelzeit. Denn nun beginnt die Zeit ganz besonderer Wildfrüchte: die Hagebutten hängen leuchtend rot an den Sträuchern und warten darauf geerntet zu werden. Die kleinen Früchte gehören für mich – und ganz viele Andere – einfach zum Herbst. Vielleicht kennst du sie aus Kindertagen, hast schon Hagebuttentee getrunken oder daraus Marmelade gekocht.
Ihr Ruf als kleine Vitamin-C-Bomben eilt ihnen voraus. Und das völlig zu Recht. Aber Hagebutten können noch viel mehr.
Sie lassen sich in der Küche verwenden, für die natürliche Hausapotheke verarbeiten und sogar für die eigene Naturkosmetik nutzen. Und je genauer man sich mit ihnen beschäftigt, desto spannender werden die kleinen roten Früchte.
Wann ist die beste Zeit, Hagebutten zu sammeln?
Hagebutten reifen im Spätsommer und Herbst. Du erkennst reife Früchte an ihrer kräftigen roten bis orange-roten Farbe.
Im Frühherbst sind die kleinen roten Frühte noch ganz fest. Erst nach den ersten Frösten werden sie weicher und dann auch süßer. Das macht sie beispielsweise für Mus und andere kulinarische Zubereitungen interessant.
Für ganz viele andere Zubereitungen kannst du die Hagebutten aber bereits ernten, wenn sie noch fest sind. Das hat den Vorteil, dass sie sich gut pflücken und verarbeiten lassen.
Du musst also nicht auf den ersten Frost warten. Wenn du die Hagebutten selbst ernten möchtest, ist ein trockener Tag ideal. Sammle nur gesunde, unbeschädigte Früchte und achte darauf, nicht direkt an stark befahrenen Straßen oder anderen belasteten Standorten zu pflücken.
Was steckt in der Hagebutte?
Hagebutten enthalten neben Vitamin C eine ganze Reihe weiterer wertvoller Pflanzenstoffe. Dazu gehören unter anderem Carotinoide und Polyphenole.
Interessant sind aber nicht nur die Inhaltsstoffe der roten Fruchthülle. Auch die kleinen Nüsschen im Inneren haben es in sich.
Aus ihnen lässt sich beispielsweise ein wertvolles Pflanzenöl gewinnen, das besonders in der Naturkosmetik geschätzt wird.
Und genau hier zeigt sich bereits, warum ich die Hagebutte so spannend finde: Je nachdem, welchen Teil der Pflanze ich verwende und wie ich ihn verarbeite, ergeben sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten.
Kerne und Härchen – was du wissen solltest
Wenn du eine frische Hagebutte aufschneidest, findest du im Inneren zahlreiche kleine Kerne (Nüsschen), die von feinen Härchen umgeben sind.
Diese Härchen sind bekannt als klassisches „Juckpulver“ aus Kindertagen. Sie können Haut und Schleimhäute reizen und sollten deshalb nicht einfach mitgegessen werden.
Bei Zubereitungen wie Hagebuttenmus oder -mark werden die Kerne und Härchen deshalb entfernt. Entfernen heißt aber nicht automatisch entsorgen. Die getrockneten Nüsschen sind ganz besonders feines Räucherwerk.
Für andere Zubereitungen wiederum kann die Verarbeitung ganz anders aussehen. Es kommt also immer darauf an, was du aus deinen Hagebutten herstellen möchtest.
Hagebutten in Küche & Hausapotheke
Hagebutten werden traditionell vor allem als Vitamin-C-reiche Frucht geschätzt. Doch gerade hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Zubereitungsart. Nicht jede Verarbeitung eignet sich gleichermaßen, um bestimmte Inhaltsstoffe optimal zu erhalten. Auch deshalb finde ich es so spannend, sich nicht nur mit der Pflanze selbst, sondern auch mit ihren verschiedenen Zubereitungsformen auseinanderzusetzen.
Natürlich kannst du Hagebutten zu Mus, Marmelade oder Gelee verarbeiten. Aber ganz ehrlich: ich find, das ist ziemlich aufwändig. Und durch das dafür notwendige erhitzen gehen natürlich einige Inhaltsstoffe verloren.
Ich verwende sie am liebsten getrocknet und pulverisiert – so lässt sich die Hagebutte richtig vielseitig einsetzen und die Inhalstsstoffe beleiben zu einem großen Teil erhalten.
Hagebuttenpulver
So gehts:
Hagebutten waschen, Stiel und Käppchen abschneiden. Dann die Hagebutten der Länge nach halbieren und mit einem kleinen Löffel (noch besser gehts mit dem Ende vom Löffelstiel) die Kerne und Härchen entfernen.
Die Hagebuttenhälften im Dörrapparat oder bei niedriger Temperatur im Backrohr trocknen.
Die gut getrockneten Hagebuttenhälften in einer Gewürzmühle oder einem anderen Mixgerät fein pulverisieren.
Das fertige Pulver kannst du beispielsweise in Müsli, Joghurt oder Smoothies geben. Auch in Brot- oder Kuchenteig passt es sehr gut.
Ich verwende Hagebuttenpulver besonders gerne für ein Electuarium. Das ist eine sehr alte Zubereitungsform in der Naturheulkunde. Dabei wird feines Kräuter/Gewürzpulver mit Honig so einer Paste vermischt.
Das ist für mich eine besonders schöne Möglichkeit, die Hagebutte unkompliziert in den Alltag zu integrieren.
Mein Hagebutten-Electuarium
Du brauchst:
- Hagebuttenpulver
- naturbelassenen Honig
Das Hagebuttenpulver mit so viel Honig vermischen, bis eine streichfähige, dicke Paste entsteht.
In ein sauberes Glas füllen und kühl und dunkel aufbewahren. Verwendet wird das Pulver pur, zum Süßen und verfeinern von Smoothies, Süßspeisen etc. Die perfekte Kombination von Küche & Hausapotheke.
Hagebutten-Oxymel
Ein fruchtig-süß-saures Oxymel ist mein zweites Lieblinsgrezept mit der Hagebutte. Oxymel verbindet die genialen Inhaltsstoffe von Honig und Essig und lässt sich wunderbar mit verschiedenen Kräutern und Früchten kombinieren.
du brauchst:
- ca. 3 Hände voll frische Hagebutten
- 1/2 Vanilleschote
- 200ml Apfelessig
- 250-300ml Honig
so gehts:
Für ein Hagebutten-Oxymel die frischen Hagebutten waschen und Stiel und Käppchen entfernen. Vanilleschote der Länge nach aufschneiden und klein schneiden, die Hagebutten ebenfalls grob schneiden. Gemeinsam mit Honig und Essig in einem passenden Glas ansetzen und 2-3 Wochen bei Raumtemperatur ziehen lassen. Danach gut abseihen und in saubere Flaschen füllen.
Oder die Turbo-Variante, wenn du nicht so lange warten willst:
Alle Zutaten miteinander vermischen und dann für ein paar Minuten mit einem hochtourigen Mixer mixen. Einige Stunden ziehen lasse, anschließend gut abseihen und in saubere Flaschen füllen.
Das Ergebnis ist eine fruchtig-säuerliche Mischung, die sich wunderbar in den Herbst integrieren lässt – beispielsweise verdünnt mit Wasser oder als besondere Zutat in Getränken und Dressings.
Hagebutten für die Naturkosmetik
Und jetzt kommen wir zu einer Verwendung, die viele wahrscheinlich nicht sofort mit Hagebutten verbinden: Hagebuttenöl für die Haut.
Hagebuttenkernöl (auch Wildrosenöl genannt) ist reich an verschiedenen wertvollen Fettsäuren und wird traditionell für die Pflege trockener und beanspruchter Haut eingesetzt. Das fette Pflanzenöl selbst aus den Nüsschen zu pressen ist aber in „Haushaltsmengen“ beinahe unmöglich. Aber es gibt noch eine andere Variante, um die wertvollen Wirkstoffe der Hagebutte auf die Haut zu bringen.
Mein Hagebutten-Gesichtsöl
du brauchst:
- 250-300ml Jojoba- oder Mandelöl
- 2 Hände voll frische Hagebutten
- oder 3-4 EL getrocknete Hagebutten
- 30 Tr. Sanddornfruchtfleischöl
- 50 Tr. Wildrosenöl
so gehts:
Die frischen Hagebutten waschen und mit einem scharfen Messer Blütenkäppchen- und Stielansatz entfernen. Getrocknete Hagebutten können ohne Vorbereitung verwendet werden. Die rot-orangen Früchte klein schneiden und gemeinsam mit dem Jojobaöl in einem Becherglas im Wasserbad für 1-2 Stunden auf niedriger Stufe erwärmen. Alles mit dem Stabmixer fein mixen und nochmal 30 Minuten ziehen lassen. Anschließend das Öl durch ein feinmaschiges Sieb gut filtrieren.
Sanddornfruchtfleischöl und Wildrosenöl einrühren. Optional noch 10 Tropfen ätherisches Karottensamenöl hinzufügen.
Das fertige Öl in kleine Braunglasflaschen abfüllen und mit Pipettenaufsatz verschließen.
Für ein selbst gemachtes Gesichtsöl kannst du ein hochwertiges Hagebuttenkernöl als Basis verwenden und es nach deinen Bedürfnissen mit weiteren Pflanzenölen kombinieren.
Gerade im Herbst und Winter kann so ein pflegendes Gesichtsöl eine schöne Ergänzung zur natürlichen Hautpflege sein.
Noch mehr über die Hagebutte gibts übrigens im Herbal Wisdom Circle zu erfahren.


