Auch wenn Ringelblume, Schafgarbe & Co. im Herbst noch blühen, ist nicht jede Pflanze jetzt noch die beste Wahl für deine Hausapotheke. Worauf du beim herbstlichen Kräutersammeln achten solltest und welche Schätze du jetzt noch entdecken kannst, erfährst du hier.
Der Oktober zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne wärmt noch einmal unsere Gesichter, die Natur leuchtet in den schönsten Farben und vielerorts blühen Ringelblume, Schafgarbe und andere Kräuter noch immer. Da kribbelt es in den Fingern und man möchte die letzten Blüten sammeln, um die Hausapotheke nochmal ordentlich aufzufüllen.
Doch gerade das sollte man jetzt nicht mehr einfach so machen. Denn beim Sammeln von Heilpflanzen kommt es nicht nur darauf an, welche Pflanze wir ernten, sondern auch darauf, wann wir das tun.
Die Jahreszeit, das Entwicklungsstadium der Pflanze und die Witterung beeinflussen die Qualität des Ernteguts maßgeblich. Wer Kräuter für die Hausapotheke sammeln möchte, sollte deshalb wissen, wann der passende Erntezeitpunkt gekommen ist.
Warum der richtige Erntezeitpunkt so wichtig ist und wie man ihn erkennt
Heilpflanzen enthalten unterschiedliche Inhaltsstoffe, die für ihre charakteristischen und somit auch heilenden Eigenschaften verantwortlich sind. Deren Gehalt verändert sich im Laufe des Jahres. Dabei spielen unter anderem das Pflanzenalter, die Wachstumsbedingungen, die Sonneneinstrahlung und die Witterung eine große Rolle.
Bei vielen Kräutern liegt die Hauptblütezeit im Sommer. Dann, wenn sie ausreichend Sonnenstunden, Wasser und Nährstoffe hat, bildet sie auch die meisten Inhaltsstoffe.
Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Pflanze im Herbst grundsätzlich weniger wertvoll ist. Entscheidend ist, welche Pflanze und welcher Pflanzenteil betrachtet wird und wofür wir ihn verwenden möchten.
Bei der Ringelblume beispielsweise sammeln wir vor allem die Blüten. Auch wenn diese nun im Herbst noch sehr schön sind, ist die beste Sammelzeit tatsächlich schon vorbei. Denn es gibt zu wenige Sonnenstunden, zu viel Feuchtigkeit und zu kalte Temperaturen, um noch ausreichend Wirkstoffe zu bilden.
Jede Pflanze hat ihren eigenen perfekten Erntezeitpunkt und den gilt es zu finden, wann immer wir die Heilkraft der Pflanzen in der Hausapotheke nutzen wollen.
Schauen wir uns das mal anhand der Brennessel genauer an. Die Blätter sind im Frühling bzw. im jungen Pflanzenstadium am aromatischsten. Die Samen hingegen reifen erst im Spätsommer bzw. Frühherbst.
Die Wurzeln können wir im Herbst verwenden, wenn die oberirdischen Pflanzenteile abgestorben sind.
Mein Tipp: Wenn du Heilpflanzen für deine Hausapotheke auf Vorrat sammelst, orientiere dich deshalb immer am empfohlenen Erntezeitpunkt der jeweiligen Pflanze. Verwende für deine Zubereitungen bevorzugt hochwertiges, sorgfältig geerntetes und richtig getrocknetes Pflanzenmaterial.
Mehr Infos zum richtigen Sammelzeitpunkt findest du übrigens auch in meinem Buch: Das Kräuterbuch für die Hausapotheke
Diese drei Dinge die du jetzt noch mit blühenden Kräutern machen kannst
1. Verfeinere deine Speisen mit frischen Blüten
Auch wenn die Hauptsaison vieler Heilkräuter vorbei ist, kannst du gesunde, frische Blüten weiterhin kulinarisch verwenden. Ringelblumenblüten bringen Farbe auf den Teller, während andere essbare Blüten Salate, Aufstriche oder Kräuterbutter verfeinern können. Achte darauf, nur Pflanzen zu verwenden, die du sicher bestimmen kannst und die für den Verzehr geeignet sind.
2. Stelle dir aromatische Genuss-Tees zusammen
Nicht jeder Tee muss eine bestimmte Heilwirkung haben. Manchmal darf einfach der Geschmack im Vordergrund stehen. Wenn du jetzt noch geeignete Kräuter und Blüten findest, kannst du sie frisch verwenden oder für deine persönlichen Teemischungen trocknen. Kombiniere sie mit aromatischen Pflanzenteilen und stelle dir deinen eigenen Frühstücks- oder Abendtee zusammen.
3. Sammle geeignete Pflanzenteile zum Räuchern
Manche Kräuter kannst du auch für deinen winterlichen Räuchervorrat sammeln. Neben Blättern und Blüten kommen je nach Pflanze auch Samen oder andere geeignete Pflanzenteile infrage.
Wichtig ist, dass du das Sammelgut vollständig trocknest, bevor du es aufbewahrst.
Was sich nun lohnt: Ein Blick unter die Erde!
Während wir bei vielen Pflanzen im Sommer vor allem auf die Blüten und Blätter achten, werden im Herbst auch die Wurzeln interessant. Bei einigen mehrjährigen Heilpflanzen wie zum Beispiel Alant, Beinwell oder Baldrian ist der Herbst der geeignete Zeitpunkt, um die Wurzel aus der Erde zu holen und sie zu verarbeiten. Am besten machst du das, wenn die oberirdischen Teile dieser Pflanzen verdorrt und abgestorben sind. Dann haben die Pflanzen all ihre wichtigen Inhaltsstoffe in den Wurzeln eingelagert. So erhältst du bei passender Verarbeitung wirkungsvolle Mittel für deine Hausapotheke.
Achte beim Ausgraben der Wurzel immer darauf, nicht die ganze Pflanze zu entnehmen, damit der Fortbestand im nächsten Jahr gesichert ist.
Kräuterwissen bedeutet also nicht nur die Kräuter und ihre Wirkung zu kennen, sondern auch, den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu finden.
Wenn du deine Vorräte für die Hausapotheke anlegst, lohnt es sich, die optimale Erntezeit der einzelnen Heilpflanzen zu berücksichtigen. Denn die Kräutersaison endet nicht einfach mit dem Sommer. Sie verändert sich und hält immer wieder neue Möglichkeiten bereit.
Und genau darin liegt für mich die Faszination der Kräuterkunde: Je genauer wir hinsehen, desto mehr können wir von der Pflanzenwelt lernen. Noch mehr Kräuterwissen und Infos zur richtigen Erntezeit bekommst du im HERBAL WISDOM CIRCLE


