Tausendschönes Zauberkraut

Kinder flechten Kränze und Armbänder daraus und so manches Mal muss es auch herhalten, um die Chancen auf den Angebeteten voraus zu sagen: Das Gänseblümchen! Es gehört zu den Korbblütlern und nicht nur Kinder lieben dieses kleine Blümlein.

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Gänseblümchen sind der Inbegriff von sanfter Schönheit. Das besagt auch der volkstümliche Name Tausendschön. Doch hinter der Bellis perennis verbirgt sich noch viel mehr. Es ist nämlich ein kleines Pflänzchen mit großer Wirkung, von der nur die Wenigsten wissen.

Es ist DAS Kinderkraut schlechthin und wird deshalb auch als „Kinderarnika“ bezeichnet. Die Wirkungsweise ist der des echten Arnikas (Arnica montana) sehr ähnlich. Aber im Gegensatz zum Arnika, der fast überall geschützt ist, können Gänseblümchenblüten und -blätter von Frühlingsbeginn bis zum späten Herbst (März bis November) immer und überall geerntet werden. Den größten Wirkstoffgehalt besitzen sie allerdings von April bis August.

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Wirkung:
Gänseblümchen enthalten unter anderem Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Mineralstoffe, ätherische Öle und Vitamin C. Sie wirken schleimlösend, blutreinigend, wassertreibend und fördern den Stoffwechsel.

Anwendung:
Gänseblümchensalbe oder -tinktur sind wunderbare Schmerz- und Wundheilmittel bei Prellungen, Schürfwunden und Verstauchungen. Bei Husten und Heißerkeit ist der Tee schleimlösend und lindernd und als Teeauflage wirken sich Gänseblümchen positiv auf Muskelschmerzen aus.

 

Gänseblümchentee

Bei Heißerkeit und Husten wirkt ein Tee aus Gänseblümchenblüten wahre Wunder. Die enthaltenen Schleimstoffe legen sich über die gereizten Schleimhäute im Rachen und sorgen so für rasche Linderung.

Für den Tee werden eine Hand voll frischer oder getrockneter Gänseblümchenköpfe mit heißem Wasser übergossen. Den Sud ca. 10 Minuten ziehen lassen und danach abseihen und schluckweise trinken.

ACHTUNG: Gänseblümchen enthalten Gerbstoffe und wirken deshalb auch stopfend. Bei Kindern, die Probleme mit dem Stuhlgang haben, sollte der Tee nicht angewendet werden. Gänseblümchentee ist für Kinder ab ca. 2 Jahren geeignet.

Gänseblümchenbad

Der Absud der Gänseblümchen wirkt antiviral, wundheilend und hautreinigend. Ideal bei Hauterkrankungen, Neurodermitis, Ekzemen und Milchschorf, aber auch bei einem wundem Po!

Ein paar Hände voll frische oder getrocknete Gänseblümchen mit mit heißem Wasser übergießen und 10 Min. zugedeckt ziehen lassen, danach ins Badewasser abseihen.

Gänseblümchensalbe

Die Salbe findet bei allen Verletzungen Anwendung, bei denen Erwachsene zu Arnikatinktur oder -salbe greifen würden. Also stumpfe Verletzungen und Prellungen nach kleineren Unfällen zB mit dem Fahrrad, beim Kraxeln oder Spielen.

Für die Salbe werden benötigt:

  • Gänseblümchenköpfe
  • Sonnenblumenöl (in Bio-Qualität)
  • Bienenwachs
  • ein nicht zu kleines Schraubglas (zB. altes, gut gereinigtes Gurkenglas)
  • Salbentiegel in gewünschter Größe

Zuerst wird mit den Gänseblümchenköpfen ein Ölauszug hergestellt. Das bedeutet, die Köpfe werden locker in ein Schraubglas gegeben und mit Sonnenblumenöl komplett bedeckt. Für den Ölauszug sollten die Gänseblümchen an sonnigen Tagen um die Mittagszeit geerntet werden, damit sie schön trocken sind. Außerdem sollten dem Pflücktag mindestens 2 Sonnentage ohne Regen vorausgegangen sein. Ich empfehle, die frischen,  gepflückten Köpchen auf einem Küchentuch noch ca 2 Stunden trocknen und anwelken zu lassen. Enthalten die Köpfchen zu viel Feuchtigkeit, kann das Öl nämlich leicht ranzig werden.

Das angesetzte Öl wird nun für ca 3-4 Wochen in die Sonne gestellt und immer wieder geschüttelt. So gehen die wertvollen Wirkstoffe der Gänseblümchen direkt ins Öl über. Wenn der Ölauszug fertig ist, werden die Köpfchen abgeseiht und das Öl ist bereit zur Weiterverwendung.

200ml Gänseblümchen-Öl werden nun in einem Glasbehältnis im Wasserbad auf ca 40 Grad erhitzt. Wenn das Öl leicht simmert (nicht kochen! – wird das Öl zu heiß, gehen wertvolle Wirkstoffe kaputt!) kommen 20g Bienenwachs hinzu. Wenn alle festen Bestandteile geschmolzen und gut vermischt sind, wird die noch flüssige Salbe in Tiegel gefüllt. Bevor die Tiegel verschlossen werden, sollte die Salbe vollständig gekühlt und ausgehärtet sein. Wird die Salbe zu früh verschlossen, bildet sich auf der Innenseite des Deckels Kondenswasser wodurch sich die Haltbarkeit verringert.

Nach dem Verschließen das Beschriften nicht vergessen! Neben der Bezeichnung und Inhalt empfiehlt sich auch das Abfülldatum direkt auf dem Tiegel zu notieren.

Gänseblümchentinktur

Ebenso wie die Salbe kann auch eine Tinktur angewendet werden. Vor allem bei großflächigeren Verletzungen (keine offenen Wunden!) ist diese zu empfehlen.

Für die Tinktur benötigt ihr:

  • Gänseblümchenköpfe
  • 38-40%igen Ansatzkorn (in Bio-Qualität)
  • ein Schraubglas (zB. altes gut gereinigtes Gurkenglas)
  • Blau- oder Braunglasflaschen

Die Gänseblümchenköpfe werden locker in ein Schraubglas gegeben und mit Korn komplett übergossen. Das verschlossene Glas wird dann für 3-4 Wochen an einen dunklen Ort gestellt und immer wieder gesschüttelt. Sind die 4 Wochen vergangen, werden die Köpfe abgeseiht und die fertige Tinktur in Blau- oder Braunglasflaschen gefüllt und beschriftet!

Wegesrandapotheke

Wer sich unterwegs verletzt und nichts dabei hat, der pflückt sich schnell ein paar Gänseblümchen, kaut sie kurz an und legt sie dann auf die Wunde.  Die Wirkstoffe der Gänseblümchen wirken gemeinsam mit dem Speichel wundheilungsfördernd. Auch bei Insektenstichen verschafft diese Gänseblümchenauflage schnelle Linderung.

Blühende Speisen

Das Gänseblümchen ist aber nicht nur eine hervorragende Heilpflanze sondern eignet sich auch als Zutat für so manche Speise.

Aufstriche garniert mit frischen Blüten, essbare Dekorationen in Suppen, blühende Salatbeigaben oder einfach nur als kleiner Snack zwischendurch. Auch in grünen Smoothies oder im Blütenomlette machen sich Gänseblümchen sehr gut. Und das sind nur einige Beispiele um die kleinen Blümlein in der Küche anzuwenden – der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!

Wichtig beim Sammeln:

  • Nur Gänseblümchen pflücken, die auf unbehandelten Wiesen wachsen und welche nicht als „Hundeklo“ verwendet werden.
  • Blütenköpfe für Tinktur und Ölauszug an sonnigen, trockenen Tagen um die Mittagszeit pflücken

 

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Wusstet ihr, dass…

… das Gänseblümchen der Sage nach aus den Tränen entstand, die Maria auf der Flucht nach Ägypthen vergossen hat?

… man nach dem Genuss von Gänseblümchen 12 Monate fieberfrei bleibt?

… drei mit dem Mund abgebissene und geschluckte Gänseblümchen Magenbeschwerden heilen?

… man bei wichtigen Terminen Gänseblümchen, die zu Johannis zwischen 12 und 1 Uhr gesammelt wurden in Papier gewickelt bei sich tragen soll?

… das Gänseblümchen der Göttin Freya zugeschrieben wird? Diese ist ein Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn.

… die ersten drei im Frühling gefundenen Gänseblümchen ganz besonders heilkräftig sein sollen?

Ob diese Mythen alle stimmen, kann ich euch nicht sagen, aber dass Gänseblümchen wunderbare Wetteranzeiger sind, weiß ich mit Sicherheit. Bleiben die Gänseblümchenblüten morgens geschlossen, wird tagsüber kaum die Sonne scheinen und es ziemlich sicher noch regnen!

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Was habt ihr mit Gänseblümchen schon Schönes oder Schmackhaftes gemacht? Verratet mir doch eure Rezepte oder Anleitungen – besonders kreative oder besondere Ideen werden gerne hier veröffentlicht!